Ein wenig Geschichte…… Okt. 1966 – Nov. 2011

Im November 2011 veranstaltete die AMS e. V. im 45. Jahr das „44. Akademische“ auf dem kleinen Kurs des Hockenheimrings. Ein motorsportliches Ereignis das es wert ist, einmal die Historie und die Entwicklung dieser außergewöhnlichen Traditions-veranstaltung näher zu betrachten.
In den 60er Jahren waren auch die Aktiven der AMS e. V. typische Studenten der damaligen Zeit, Vorschriften, Oberste Nationale Sportbehörde (ONS) waren lästiger Ballast der den motor-sportlichen Aktivitäten der aktiven AMS‘ler und den Kommilitonen der anderen akademischen Motorsportgruppen, z. B. AMF an der Universität Freiburg, AMK an der TH Karlsruhe, AKAKRAFT an der TH Darmstadt oder AKAMOT an der Universität Frankfurt häufig nur hinderlich erschien. Diese Jahre der Jungakademiker waren in der Regel durch „schwarze“ motorsportliche Veranstaltungen, ob Slalom oder Orientierungsfahrten, geprägt. So war es naheliegend, dass sich 1965, 1966 der Gedanke, ein „Fahrtraining zur Verbesserung des Fahrkönnens auf abgesperrter Rundstrecke“ für AMS‘ler, motorsportlich orientierte Studenten auf dem kleinen Kurs des Hockenheimrings zu organisieren immer mehr aufdrängte. Im Frühsommer 1966 wurde dieser Plan zunehmend konkreter und etwa 6 aktive AMS‘ler, u. a. Thomas Bossert, Hans-Peter Franke, Jürgen Horstmann, Jürgen Rapp, Wolfgang Saier, machten sich daran, ihn in die Tat umzusetzen. Durch gute Kontakte bereits in der Industrie tätiger „Alter Herrn“ der AMS und einiger aktiver AMS´ler zur Redaktion der „auto motor und sport“ konnte ein Termin im Oktober 1966 für das erste akademische Fahrtraining mit der Hockenheimring GmbH vereinbart werden. Das erste „Akademische“ lief mit 56 Teil-nehmern mit Autos oder Motorrädern ab. Aktive AMS‘ler, Alte Herren der AMS, Freundinnen und Freunde, Kommilitonen von den anderen akademischen Motor-sportgruppen wurden zur Zeitnahme mit Stoppuhren, Streckensicherung und sonstige Organisationsaufgaben eingesetzt und wechselten sich dabei ab, wenn sie sich selbst auf dem kleinen Kurs fahrerisch betätigen wollten. Das erste Akademische wurde zum vollen Erfolg und der Beschluss war klar, es gibt im nächsten Jahr wieder ein „Akademisches“. Dabei kam auch bereits der Wunsch auf, denjenigen die während der Motorsportsaison hinter den Kulissen wirkten, die Möglichkeit zu bieten, sich mal selbst mit den von ihnen betreuten Fahrzeugen auf der Rundstrecke zu tummeln; die S-Läufe mit Renntourenwagen, Formel V-Rennwagen usw. wurden eingebunden. Das Akademische bekam eine einmalige Struktur und einen besonderen Stellenwert in der damaligen Motorsportszene.
Ende der 60er-Jahre wurden die Kontakte zwischen den akademischen Motorsport-gruppen im süddeutschen Raum intensiver und ein Hochschulpokal wurde in den Folgejahren mehrfach ausgeschrieben. Das Akademische war stets ein Glanzpunkt im Rahmen der motorsportlichen Veranstaltungen die zum Pokal gewertet wurden.
1974 setzte das „Akademische“ aufgrund Terminverweigerung der Hockenheimring GmbH gezwungenermaßen aus; die Studenten hatten 1973 nach dem „7. Aka-demischen“ von der GmbH vertragswidrig erhobene Eintrittsgelder eingefordert und an gemeinnützige Organisationen, z. B. an die Johanniter, weitergeleitet. Das ist der Grund, dass 2012 das „45. Akademische“ im 46. Jahr sein wird. So entwickelte sich das „Akademische“ im Laufe der Jahre immer mehr zu einer außergewöhnlichen motorsportlichen Veranstaltung, die stets hinsichtlich der Sicherheit auf vorbildlich hohem Niveau war. So waren der Einsatz eines Klinomobils unter Dr. med. Eddy Rodenhäuser oder Bereitstellung eines Rettungshubschraubers an der Strecke für die AMS selbstverständlich. Das Akademische wurde auch immer wieder zur Basis innovativer Entwicklungen und Versuche, so wurden z. B. vorab versuchsweise Fahr-zeugen aus Weissach eingesetzt, die später zum Kern der ONS-Staffel wurden. Eine Besonderheit war auch die flexible Handhabung der Tageslizenzen für Teilnehmer der S-Klassen; dank Alt-AMS‘ler Klaus Steinmetz, ein Gentleman-Agreement mit der ehemals den Motorsport dominierenden ONS. Etwa Mitte der 70er-Jahre kamen auch erste Computer zum Einsatz, die die Zeitnahme und die Auswertung des Fahr-trainings wesentlich erleichterten. Die Eigenent-wicklung der Computersoftware für die damals zur Verfügung stehende Hardware wurde im Laufe der Jahre von aktiven AMS‘lern stetig vorangetrieben und zu einer Auswertungsperfektion gebracht, die auch mit heutigen Systemen noch konkurrieren könnte. Lediglich die heute übliche direkte elektronische Zeiterfassung der einzelnen Fahrzeuge konnte, vor allem aus finanziellen Gründen, noch nicht realisiert werden.
Einerseits ist es erstaunlich, dass auch im 5. Jahrzehnt das „Akademische“ in alter Frische, als absolute Traditionsveranstaltung, im Jahr 2012 noch lebt, andererseits zeigt diese motorsportliche Veranstaltung, dass studentische Aktivitäten in einer relativ kleinen Vereinigung, über Generationen hinweg, diese große Anstrengung immer wieder meistern können. Die Hoffnung ist nicht unbegründet, wenn man auch über das „50. Akademische“ hinaus an seine Zukunft glaubt.

Wolfgang Saier