Das 39. Akademische 2006 – aus der Sicht eines Instruktors
5. Mai 2009 | Von Michael K. | Kategorie: AMScene Geschichten
Ich drücke den Startknopf auf der Mittelkonsole. Zwei, drei Kurbelwellenumdrehungen hört man nur den Anlasser, dann erwacht der 4,2 Liter V8 vor mir mit einem Gasstoß zum Leben. Schnell umfängt mich das wohlige Brabbeln des Motors und das Display meldet „Höchstdrehzahl 7000 U/min“ – solange die Öltemperatur noch zu niedrig ist erlaubt die quattro GmbH nicht mehr, aber schon das genügt mir. Ja, auch Audi hat nun verstanden, dass das Hochdrehzahlkonzept reizvoll ist und hat es im aktuellen RS4 umgesetzt. Und am Steuer eines solchen sitze ich nun. Aber es ist kein gewöhnlicher RS4 und ich stehe auch nicht in der heimischen Garage: Auf der Mittelkonsole prangen 3 Tasten – weiß, orange und grün – für die Bedienung der Blinklichter, die an diesem RS4 montiert sind, im Rückspiegel sehe ich 35 Autos der Gruppe C, die sich auf ihren Lauf vorbereiten und vor mir liegt der Hockenheimring. Ich sitze in einem original Audi RS4 DTM Safety Car und stehe kurz davor meine erste Runde als Instruktor beim Akademischen zu absolvieren.
Rückblende: Vor 8 Monaten, bei der Mitgliederversammlung im Februar, gaben Sebastian Seewaldt und ich die Leitung des Akademischen weiter an Felix Waniek und Martin Mackus. Es hatte uns viel Spaß gemacht das Akademische 2 Jahre lang zu organisieren, doch nun wollten wir diese Verantwortung weitergeben und selbst eine andere Funktion beim Akademischen kennenlernen. Aufgrund mei ner motorsportlichen Vergangenheit hatte ich schon länger mit der Aufgabe des Instruktors geliebäugt und auch Sebastian war nicht abgeneigt. So fragten wir bei Hendrik Unger an, ob er denn Möglichkeiten sehe uns als AMS-Instruktoren auszubilden. Hendrik zeigte sich erfeut über unsere Anfrage, lediglich die Fahrzeuge auf denen wir die Instruktortätigkeit ausüben sollten stellten noch ein Problem dar: Ich konnte nur mit einem Fiat Punto mit strammen 55PS aufwarten und auch Sebastians BMW 325e würde für Gruppe D und E deutlich untermotorisiert sein. Doch auch dieses Problem löste sich bald: Die quattro GmbH stellte uns wieder ein Audi RS4 Safety Car zur Verfügung und Hendirk Unger erklärte sich bereit auf den eigenen Fahrspaß zu verzichten und das Akademischen auf dem Beifahrersitz mit unserer Ausbildung zu verbringen. Herzlichen Dank noch einmal dafür, Hendrik!
Zurück zum 39. Akademischen: „Vorstart, ihr könnt die nächste Gruppe rauslassen“ qäukt es über das Funkgerät. Dies ist das Zeichen für mich den ersten Gang einzulegen und langsam anzurollen. Im Rückspiegel beobachte ich wie die Teilnehmer ebenfalls losfahren. Vier Instruktorrunden sind zu absolvieren, in denen die Geschwindigkeit langsam gesteigert wird bis die letzte Runde etwa mit der Sollzeit der jeweiligen Gruppe übereinstimmt. Die erste Runde ist eine gemächliche Streckenbesichtigung. Ich muss darauf achten mit dem 420 PS starken RS4 die erste Runde nicht zu flott anzugehen. Maximal 80km/h stehen auf dem Plan, wenn ich zu schnell bin droht die Gefahr im Motodrom schon wieder auf das Ende des Feldes aufzulaufen und das wäre fatal – knapp 40 Teilnehmer auf dem kleinen Kurs sind kein Pappenstiel. Doch auch beim langsamen Abfahren des Kurses muss ich darauf achten die Idealline einzuhalten, nicht einfach wenn man eine Kurve mit 80km/h fährt, die mit 160 genommern werden kann. Normalerweise wird das Auto automatisch zum Kurvenaußenrand getragen, hier muss ich den Wagen zum Außenrand tragen. Aber in den gefühlt sehr kurzen vier Instruktorrunden will ich den Teilnehmern möglichst viel der idealen Linie vermitteln – sie werden es in den folgenden 20 Minuten freien Fahrens gut gebrauchen können. Als ich ins Motodrom einbiege, sehe ich wie die letzten Teilnehmer gerade auf die Start-Ziel-Gerade einbiegen. Alles im Plan also, alle Autos sind auf der Strecke und ich kann von nun an die Geschwindigkeit langsam steigern – kein Problem mit dem RS4. Der Motor ist ein Traum an Elastizität, es ist ihm absolut egal ob ich im 3. oder 5. Gang aus der Sachs-Kurve herausbeschleunige. Bereits bei 2000 U/min liegen 400 Nm an der Kurbelwelle an, bei 5500 U/min sind die maximalen 430 Nm erreicht. Doch soweit muss ich mit der Gruppe C hinter mir gar nicht gehen, eher besteht die Gefahr zu schnell unterwegs zu sein. Das Fahrwerk gepaart mit dem quattro-Antrieb lassen den 1,8 Tonnen Audi recht behende erscheinen, von drastischer Untersteuerneigung keine Spur. Schnell sind 3 Runden vergangen und der hochgereckte Daumen von Kai Teneta an der Startflagge auf Start-Ziel erinnert mich daran, dass ich nun auf die letzte Runde gehe. Im 5. Gang fliege ich auf die Nordkurve zu, ein voll durchgetretenes Gaspedal ist auf der Zielgerade dennoch tabu, zu schnell wäre ich den Teilnehmern entschwunden. Kurz wird gebremst, ein Gang zurückgeschaltet und dann eingelenkt. Nicht zu spät, denn die neue Nordkurve macht am Ende deutlich auf. Wichtiger ist es am Scheitelpunkt ganz innen am Curb zu sein. Schon ist die Ameisekurve in Sicht, vor dem Anbremsen muss ich nochmal im Rückspiegel chekken ob die Teilnehmer noch dran sind, dann wird gebremst und der 3. eingelegt. Spät einlenken ist angesagt um eine möglichst gerade Linie auf die Querspange hinaus zu bekommen und früh auf dem Gas zu sein. Ich bin früh am Gas, doch muss mich sofort wieder zügeln um das Tempo nicht zu hoch werden zu lassen. Erneut der prüfende Blick in den Rückspiegel; alle noch da. Die Schikane Ende Querspange erfordert eine besondere Linie: Spät einlenken, nicht zu spät und dann in der scharfen Rechts volles Programm über den Curb. Die ist hier elementar, der Curb ist hier flach, deswegen schadet er dem Auto nicht, und nimmt man ihn nicht mit, muss man eine wesentlich weitere Linie wählen. Eingangs Motodrom werfe ich einen letzten Blick in den Rückspiegel, dann beginnt die Abschlußphase. Ich gebe in der Sachskurve dem RS4 die Sporen um ein bißchen Luft zwischen mich und meine Gruppe zu bringen. Somit haben sie nun die Chance auf ihr selbst gewähltes Tempo zu beschleunigen und ich habe etwas Luft um in der Südkurve gefahrlos zu verzögern um die Boxeneinfahrt zu erwischen. Ausgangs Sachskurve muss ich mit zwei Tastendrücken die Blinklichter ausschalten, mit einem dritten wird das grüne Licht eingeschaltet. Vor der Südkurve setze ich den Blinker rechts und halte mich innen, dann biege ich in die Boxengasse ab. Im Rückspiegel sehe ich wie die Teilnehmer auf die Start-Ziel- Gerade einbiegen und ihren Lauf beginnen. Langsam rolle ich zurück zum Vorstart, wende den Audi und drehe den Zündschlüssel um. Das wars, jetzt sind 20 Minuten Pause, dann geht das Spiel wieder von neuem los.
(Artikel aus der AMScene 02/2006 von Michael K.)


