Chronik eines Kart-Unfalls
5. Mai 2009 | Von Michael K. | Kategorie: AMScene Geschichten
Am 25.07.2006 fand der 4.Lauf des AMS-Kart-Cups in Neckartenzlingen statt. “Endlich mal wieder Kart fahren!” dachte ich mir, als sich unser Auto der Kartbahn näherte. Das war tatsächlich meine erste Kartfahrt in diesem Jahr, nachdem ich meinen Knieinnenbandriss von einer missglückten Snowboardabfahrt im Januar auskuriert hatte. Dieser Abend verlief aber auch nicht so, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Das Qualifying war noch relativ ruhig von kleineren Vorfällen, die dazu gehören, abgesehen. In den letzten Runden vom B-Finale hat sich die lage verändert. Gegen Ende der Start-Ziel-Gerade wollte ich Antoan überrunden und habe mich in den Kurven vorher in seinem Windschatten angesaugt, damit ich in optimaler Schlagdistanz bin. In der lang gezogenen Linkskurve, die man mit Vollgas fahren kann, ist es dann passiert. Antoan ist leicht mit dem Heck ausgebrochen, was einen laut den unwiderlegbaren Gesetzen der Fahrdynamik abbremst. Normalerweise ist das doch nicht so schlimm und, ich denke, es ist jedem von uns schon mal passiert. Der Leser sollte nicht vergessen, dass wir beide in dieser Vollgaskurve waren, ich nur wenige cm hinter Antoan, ohne jegliche Chance auf sein Malheuer irgendwie zu reagieren. So bin ich ihm mit nahe zu Höchstgeschwindigkeit ins Kart hinten rein gefahren, woraufhin wir beide die Kontrolle über unsere Fahrzeuge verloren haben. Ab dem Moment weiss ich nur noch, dass ich in der Begrenzungsmauer eingeschlagen bin, irgendwie wieder auf die Strecke zurückgeschleudert wurde und dann mitten auf der Start-Ziel quer zur Fahrtrichtung liegen geblieben bin. Als ob es immer noch nicht genug wäre, kam im nächsten Augenblick auch schon Ziby mit Topspeed um die Ecke gepfiffen. Ich habe mich instinktiv im Sitz auf die linke Seite gelehnt von dem schnell näher kommenden Ziby weg.
Perspektivenwechsel: Ziby erzählt weiter… Ich hatte mich auf dem zweiten Platz etabliert. Nach vorne war nichts zu holen, aber es standen jede Menge Überrundungen an, die ich nutzen musste, um Peter hinter mir zu lassen. Deshalb war ich viel beschäftigt unterwegs. Gegen Ende des Rennens kam ich wie gewohnt voll um die Kurve vor Start und Ziel, deren Ausgang nicht einsehbar ist. Man konzentriert sich eher auf den rechten Rand, um nicht dort einzuschlagen. Ausgangs der Kurve bot sich mir dann nicht das gewohnte Bild einer freien Strecke, sondern fünf Meter vor mir stand Aleksandar, den Blick schräg zu mir gerichtet. Das alles sah ich etwa im gleichen Moment, in dem ich ohne die Chance zu bremsen frontal ins rechte Hinterrad von Aleks einschlug. Ich faltete mich über dem Lenkrad zusammen, fing aber den größten Teil der Aufprallenergie mit meinem linken Oberschenkel an der stark ansteigenden Sitzfläche auf. Nach dem Crash musste ich erst einmal die Funktion meines linken Beines überprüfen, bevor ich die letzten Runden im Schongang zu Ende fahren konnte. Der blaue Fleck, der mich die nächsten Tage begleitete, war gigantisch. Auf ein Foto muss der Leser aber leider verzichten. Trotz alledem ist dieser schlimme Unfall ohne weitere Folgen für meine Gesundheit geblieben.
Perspektivenwechsel zurück: Aleks…. Nach dem Crash musste ich erstmal meine sieben Sinne sammeln, leicht daneben war ich auf jeden Fall. Als der Streckenposten zu mir kam und mich fragte, ob alles OK sei, war ich immer noch, halb im Sitz und halb auf der linken Seite des Karts hängend, damit beschäftig meine Körperfunktionen zu überprüfen. Bis auf eine große Schürfwunde und mehrere blaue Flecken ist mir zum Glück auch nichts passiert. So ein gesittetes Kartlaufende habe ich noch nie erlebt: die letzten 3 Runde bis zum Schluss gab es keine Überholmanöver mehr. Alles fuhr schön langsam in Reih und Glied deutlich geschockt das Rennen zu Ende. Es ist glimpflich abgelaufen. ABER: Don`t try this at home!
(Artikel aus der AMScene 02/2006 von Sebastian S. und Aleks L.)



Sehr bitter. Wir hatten einen, den ging’s auf unserer Kartbahn ähnlich. Ich hatte selbst auch schon den einen oder anderen Crash – noch bitterer.
Markus